am 29. April im Rathaus Wernigerode



 

Im Rahmen des Jahresempfangs wird der "Kulturpreis Harz"
an den Kultur- und Heimatverein Benneckenstein e.V. verliehen.



Aus dem Programm:
Begrüßung
  • Herr Oberbürgermeister Ludwig Hoffmann
Grußwort
  • Herr Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens
  • Harzzithergruppe Braunlage
Kulturpreis Harz
  • Verleihung an den Kultur- und Heimatverein Benneckenstein e.V.
  • Mundartsprecher Helmut Wedler, Benneckenstein



Die Laudatio
wurde gehalten von dem Geschäftsführer des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt e.V., Herrn W.Köppe



Sehr geehrter Herr Vorsitzender Landrat Kullik,

liebe Preisträger,

meine Damen und Herren!

Lassen Sie mich mit einem Löns-Zitat beginnen, aus dem "Tal der Lieder":

"Über den Wolfskuhlen ging die Sonne zur Rüste... Da schallten klare Stimmen aus dem Walde heraus. Unter den Hängebirken her, die die rote Fahrstraße begleiteten, tauchte ein Trupp junger Kulturarbeiterinnen auf... und (sie) sangen, daß es nur so schmetterte: Hab' ich kein Geld auf dieser Welt, hab' ich einen Schatz, der mir gefällt."

Was hat das mit unserem heutigen Preisträger zu tun? Zunächst nichts. Und vielleicht doch, denn Löns und der Harz gehören zusammen, seine Liebe zum Brocken, seine große Zuneigung zur "Bunten Stadt am Harz".

Zurück zu den singenden "Kulturarbeiterinnen", wie Löns schrieb. So gehörte das Lied, die Volksmusik, früher einst zum Tagesablauf mit jahreszeitlichen Höhepunkten und regionalen Besonderheiten, sich selbst vor allem zur Freude.

Heute wird nicht mehr dergestalt auf dem Wege zur Arbeit oder während der Arbeit gesungen. Das könnte im Kehrschluß heißen, daß wir diese Lieder nicht mehr brauchen. Weit gefehlt! Nicht mehr zu diesem Zwecke. Wir brauchen die Burg auch heute noch, die eigentlich als solche nur zur Ritterzeit taugte. Wir brauchen die gewaltigen Dichtungen eines Gryphius und Simon Dach auch heute noch, wenn sie auch finstere, längst vergangene Zeiten besangen. So brauchen wir auch diese Lieder noch, als Zeitzeugen.

Wir brauchen sie, um uns an ihnen zu erfreuen. Sie kommen zu uns in die gute Stube dank der Benneckensteiner. Was ursprünglich allein von Mund zu Ohr ging, nimmt heute andere Wege. Die Tonträger sind gewissermaßen eine neue Art der Aufbewahrung und Wiedergabe. Aber nach wie vor gilt die alte Weisheit: Die beste Pflege ist, sie zu singen, zu musizieren, zu lesen, die Baudenkmäler zu nutzen etc..

Inzwischen hat sich ein Funktionswandel vollzogen, der auch die Interpretationspraxis betrifft: dem unbefangenen Musizieren, wie Löns es nachempfand, folgt der Vortrag nach Notation. Mit dieser nüchternen Feststellung bin ich doch von Löns bei dem heutigen Preisträger, dem Benneckensteiner Kultur- und Heimatverein und tauche ein in sein preiswürdiges Schaffen.

Dieses "Damals" und jenes "Heute" in der Volksmusik, ihre Pflege und Bewahrung, sind CD und Begleitheft "Es grüne die Tanne, es wachse das Erz... - 100 Jahre Volksmusikpflege im Harz. Eine klingende Chronik mit historischen Aufnahmen" verpflichtet - wie u.a. auch die Doppel-CD "Singender, klingender Harz" mit dem trefflichen Untertitel: "Eine musikalische Volkskunde". Das allein ist schon preiswürdig.

Wenn ich mir die Liste der Preisträger des "Kulturpreises Harz" noch einmal vergegenwärtige, so ist aus ganz persönlicher Sicht dreierlei anzumerken:

  • Zum ersten: Heines "Harzreise" ist wieder nachvollziehbar. Goethe und Löns könnten ihren Wanderrouten wieder folgen. Unser Harz ist wieder eins. Dieser Einklang schwingt in den genannten CD's mit.
  • Zum zweiten: Die Breite kulturellen Engagements im und für den Harz, auch geographisch, wurde bisher ausgelobt.
  • Zum dritten: Der diesjährige Preisträger "Kultur- und Heimatverein Benneckenstein e.V.", ist ein würdiger Preisträger, fortsetzend die angesprochene Breite, aber auch im philosophischen Sinne die Aufhebung zuvor ausgelobter Aktivitäten - denn ihr Wirken geht weit über das diesjährige Thema, das "regionaltypische Musikleben", sprich: über "nicht professionelle Leistungen... der Traditionspflege als auch Neuentwicklungen" weit hinaus.

Als Bezugspunkte dieser Behauptung im Geflecht breitgefächerter Aktivitäten mögen die "Benneckensteiner Heimathefte", die "Heimatstube" mit ihren Sonderausstellungen und die zahlreichen Veröffentlichungen stehen, alles zum Zwecke: "Erhalt und Pflege, Erforschung und Dokumentation harz-heimatlichen Brauchtums, Geschichte, Musik, Lied, Tanz und Mundart", wie sich der Verein im Internet vorstellt.

Ich empfehle zur Lektüre den Beitrag zum 10jährigen Bestehen des Vereins in "Unser Harz" Heft 5/2003. Ein Satz daraus möchte ich im vorab zitieren, und Sie werden verstehen, warum: "Fast scheint es, daß wir ohnmächtig in dem großen Fluß der Globalisierung schwimmen. Menschen aber haben Gestaltungskraft: viele von den eigenen Lebensbahnen können und müssen wir kreativ selbst gestalten, weil wir aktive Glieder dieser menschlichen Gesellschaft sind.", wird Herr Schnabel aus Schwedt, ein Benneckensteiner, wiedergegeben.

Das wiederspiegelt sich im Organisatorischen der Gründung, und zwar durch Zusammenschluß zweier Vereine, aus dem zerrissenen Deutschland. Das ist ablesbar am heutigen Wohnsitz der ca. 230 Mitglieder, und zwar in Deutschland, in den Niederlanden, in England, Spanien und Austalien. (Anmerkung: Stand 2004 / siehe Impressum f. aktuelle Informationen)

Manch ein Verein führt ein nach innen gewandtes Leben, ist sich selbst Anerkennung genug. Dieser Verein ist angetreten - und erfüllt es mit Bravour - im Sinne des obigen Zitats zu wirken, die eigenen Lebensbahnen kreativ selbst zu gestalten. Diese wiederum haben Wurzeln, aus ihnen immer neue Sprosse zu ziehen, mit der heutigen Kunst des Gärtners, um im Bilde zu bleiben, zur eigenen Freude, zur ideellen musischen Verbindung mit den verstreut wohnenden einstigen Benneckensteinern und damit und in Sonderheit von der kulturellen Lebenskraft des Harzes zu künden.

Zur Illustration dessen seien besonders folgende Titel genannt:

  • 1. aus der umfangreichen Palette der Buchproduktionen:
    • Die Mundarten des Harzgebietes in Ton und Text
    • Der Harz in Lied, Tanz, Musik und Mundart
    • Die Harzzither mit CD
    • Die Trachtengruppe Benneckenstein 1923 bis 2003 mit CD
  • 2. in Ergänzung zu den o.g., CD's bzw. MC's
    • Weihnacht im Harz
    • Die niederdeutschen Harz-Mundarten

Das ist, wenn man es recht beschaut, eine moderne Form und Fassung vergangenen Umgangs mit Volksmusik und Mundart. Wie die Harzer Bergleute einst, nicht nur für sich selbst zur Freude aufspielten, sondern gleichermaßen auch zur Repräsentanz und als "fahrende Spielleute","Bergsänger" etc. auf Märkten und Messen zur Freude vieler.
    So ermöglichen die modernen Ton- und Bildträger ein Gleiches, natürlich unseren heutigen Gewohnheiten angemessen.

Was nützt, meine Damen und Herren, mein ganzes Gerede, das Beste wäre: Wir legen eine CD auf, greifen zum Beiheft und lassen uns mitnehmen in die klingende Harzer Welt und hätten dann nur noch eines am Schluß einstimmig anzumerken:
    Unser herzlicher Glückwunsch dem Kultur- und Heimatverein Benneckenstein zur Verleihung des vom Regionalverband Harz ausgelobten "Kulturpreises Harz 2005" und Glückwunsch der Jury zu ihrer Wahl.

 



Die Urkunde

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